Bangkok

Von , 25. Februar 2008 18:28

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24.02.2008, Bangkok, ca. 15 Uhr Ortszeit, um die 30°C, Luftfeuchtigkeit laut Wetterbericht > 80%, meiner Meinung nach aber nicht einmal ansatzweise vergleichbar mit der Luftfeuchtigkeit im australischen Topend, wie ich sie Ende 2005 erleben durfte. Da bin ich also – nach etwas mehr als 10 Stunden Flug mit Thai Airways von Frankfurt nach Bangkok zum neuen Suvarnabhumi International Airport, welcher genau einen Tag später seinen Status als größten Flughafen der Welt an das neue Riesenterminal in Peking verlieren wird. Da mein Weiterflug zum Konferenzort erst einen Tag später geht und ich trotz einiger Stunden Schlaf im Flieger recht kaputt bin, nehme ich den Airport Express Bus in Richtung Banglamphu, um erst einmal in das Buddy Lodge Hotel einzuchecken. Dieses liegt genau in der Khaosan Road – eben jener Straße, durch welche am Anfang von „The Beach“ Richard bzw. Leonardo di Caprio streift und laut der Buchversion „Backpacker Land“ bzw. in anderen Worten, das weltweite Zentrum der Backpackerszene, ist. Ob ich das bestätigen kann? Ja, sogar mit ziemlicher Sicherheit!

Hier gibt es wirklich alles, was das Backpackerherz begehrt, und meistens gleich in 10-facher Ausführung, da sich auch bei Niedrigbudgettouristen anscheinend noch genug Geld verdienen lässt und Touristen in erster Linie als wandelnder Geldautomat angesehen wird. Kaum bin ich aus dem Bus ausgestiegen, werde ich auf den 200 Metern zum Hotel von 5 Taxifahrern, 2 Schneidern (bzw. den dazugehörigen Schleppern) und unzähligen anderen Personen angesprochen. Da ich bereits ein Hotel habe, mir keinen Polyester-Anzug andrehen lassen möchte und auch keinen Bedarf für ein Taxi habe (bin schließlich gerade erst angekommen), marschiere ich aber einfach weiter und checke erst einmal ein. Beim Buddy Lodge Hotel handelt es sich um Hotel, welches in Deutschland wohl als Mittelklasse tituliert werden würde – aber immerhin mit Pool auf dem Hoteldach. Da der Himmel jedoch recht verhangen ist, entschließe ich mich aber lieber dazu, erst einmal die Gegend zu erkundigen – um es mal mit Muff Potters Worten zu sagen: Ready, Steady, Fremdkörper!

Ab 17 Uhr ist auf der Khaosan Road kaum noch ein Durchkommen, da die Straße für den Durchgangsverkehr gesperrt und dafür von noch mehr Backpackern als vorher bevölkert wird. Diese sammeln sich entweder in einer der unzähligen Bars, vor einem der Straßenverkaufsstände, um ein Abendessen, welches unter (aus deutscher Sicht) fragwürdigen hygienischen Bedingungen hergestellt wird, zu kaufen oder drängelt in einen der 4-5 7-Eleven auf ca. 200 Metern. Da ich langsam Hunger bekomme, stürze ich mich ins Abenteuer und erstehe mein erstes authentisches Thai-Essen: Hühnchen in Curry-basierter Sauce. Dies ist nicht nur günstig sondern in allererster Linie TIERISCH SCHARF. Nun können meine Kollegen bestätigen, dass ich mir das Darmstädter Mensaessen gerne mit Unmengen Sambal Oelek „verfeinere“, aber das ist hier absolut unnötig, da auch schon die normale Portion eine ganz schöne Grundschärfe besitzt.

Am nächsten Morgen geht es mit dem Taxi zum Don Mueang Flughafen, um meinen Flieger nach Phitsanulok zu bekommen (über Phitsanulok und Sukhothai berichte ich hier).

Nachdem die Konferenz sehr erfolgreich verlaufen ist, bin ich wieder für 3 Tage in Bangkok. Bei meinem ersten kurzen Aufenthalt habe ich ja praktisch noch nichts von der Stadt gesehen, also steht Sightseeing an; außerdem möchte ich mir einen Maßanzug schneidern lassen, da mir die Exemplare von der Stange mit meinen 2,04 Meter Gardemaß nicht unbedingt passen. Wie bereits eingangs beschrieben, erhält man auf der Khaosan Road Visitenkarten von unzähligen Schneidern in die Hand gedrückt, aber dieser Schleppermentalität hängt bei mir doch immer etwas Negatives an. Außerdem werden dort 3 komplette Anzüge inkl. 5 Hemden für 199 US-Dollar angeboten – irgendwie bezweifle ich dann doch, dass man dort vernünftige Qualität erhält. Stattdessen vertraue ich dem STERN, welcher eine gute Handvoll Schneider in Bangkok empfohlen hat und mache mich von der Khaosan Road in die Innenstadt, genauer gesagt zur Sukhumvit Road auf. Dies ist die Haupteinkaufsstraße in Bangkok und gleichzeitig der Anfang einer der wichtigsten Straßen in ganz Thailand.

Hier tummeln sich riesige Einkaufszentren nach amerikanischem Vorbild und im eher sehr teuren Bereich – d. h. hier tummeln sich Louis Vuitton, Armani aber auch Quiksilver, Billabong etc. Während ich auf der Khaosan Road garantiert gefälschte Billabong Boarder Shorts für weniger als 5 Euro erstehen könnte, sind die Preise z. B. im Emporium Shopping Centre oder in der Central World Plaza aber kaum günstiger als in Deutschland. Aber ich bin ja auch da, um einen Anzug zu kaufen. Da es schon Samstag ist und ich am Dienstagabend wieder nach Frankfurt zurückfliege, bleibt leider nicht viel Zeit, um einen geeigneten Schneider zu finden. Ich besuche also 2 Schneider, welche im STERN empfohlen wurden und entscheide mich letztendlich für „Emporium Tailors“. Noch am gleichen Abend steht die erste Anprobe für das Jacket an – in der Zwischenzeit schaue ich mir die Einkaufspaläste an.

Um von der Khaosan Road in die Sukhumvit Road zu kommen, nimmt man entweder das Taxi, welches einem meist zum Festpreis angeboten wird (ca. 4 Euro), welches aber auch bei dichtem Verkehr mindestens eine Stunde für die Strecke braucht. Günstiger geht es zunächst mit der Fähre auf dem Mae Nam Chao Phraya bis zur Anlegestelle beim Saphan Taksin; dort steigt man in die Skytrain, Bangkoks neuestem Versuch zur Entlastung des völlig verstopften Verkehrsnetzes. Leider gibt es jedoch bisher nur 2 Linien, welche sich an der Siam Station kreuzen. Die Skytrain ist definitiv sauberer als sämtliche deutschen U- und S-Bahnen, die ich bisher gesehen habe – ist aber auch vielleicht kein Wunder, wenn an jeder Station Polizisten stehen. Auf jeden Fall ist die Fahrt mit Fähre und Skytrain nicht nur etwas günstiger als die Fahrt mit dem Taxi, sondern auch viel angenehmer, da man nicht nur andere Autos auf den verstopften Straßen sieht, und es auf dem Fluß ein wenig frischer ist als im Rest der Stadt. Leider fahren die Fähren aber ab ca. 18 Uhr nicht mehr und es bleibt nur noch das Taxi um nach Banglamphu und von dort wieder weg zu kommen.

Am Sonntag ging es dann zum Chatuchak Weekend Market (wieder mit der Kombination Fähre/Skytrain), einem riesigen Markt im Norden Bangkoks. Dieser Markt ist so groß, dass der Paddy’s Market in Sydney vermutlich locker 40-50 mal hier aufgebaut werden könnte. Und dann ist es auch noch gerammelt voll mit Menschen – verlaufen ist da nicht wirklich schwierig. Neben vielen Touristen gehen hier auch die Bangkoker einkaufen, d. h. man bekommt wirklich parktisch alles, was man zum täglichen Leben (nicht) braucht. Dies fängt bei vielen vielen vielen Textilien an (der Höhepunkt sind Tokio Hotel direkt neben Iron Maiden am T-Shirt-Stand) und hört bei Haustieren auf. Weiterhin gibt es wiederum sehr viele gefälschte Shorts und Shirts, DVDs, CDs und selbst den Lonely Planet findet man in kopierter Version. Insgesamt ist dieser Markt eine echt tolle Attraktion, für den man sich auch gut und gerne einen ganzen Tag Zeit nehmen könnte.

Am Montag steht nachmittags die zweite Anprobe für meinen Anzug an, vorher will ich aber endlich „echtes“ Sightseeing machen. Ich beginne am Wat Phra Kaew, wo der Jade- oder Smaragdbuddha beheimatet ist, schaue mir dann den alten Königspalast (auf dem gleichen Gelände) an, wechsle dann zum Wat Pho, um mir den größten liegenden Buddha der Welt anzuschauen und fahre dann mit der Fähre auf die andere Seite des Flusses um vom Wat Arun die Stadt ein wenig von oben zu betrachten. Zwischendurch schieße ich viele tolle Fotos und freue mich über den fast blauen Himmel über Bangkok (eine Sache, die man wohl eher selten sieht).

Am Dienstag war ich dann Andenken und Geschenke für die Daheimgebliebenen kaufen – diesmal am Siam Square im MBK (Mahbooknkrong), der sich wohltuend von den übrigen Konsumtempeln abhebt. Man hat irgendwie den Eindruck, als würde hier das Konzept der Marktstände einfach in ein Einkaufszentrum übertragen, es gibt jedoch auch viele „normale“ Geschäfte. Nach der zweiten Anprobe meines Anzugs am Montag kann ich diesen am Dienstagnachmittag abholen und bin ziemlich begeistert. Die Verarbeitung ist sehr gut und der von mir ausgewählte Stoff fühlt sich sehr gut an. Ob der Anzug was taugt, wird sich trotzdem natürlich erst zeigen, wenn ich in diesen in den nächsten Monaten häufiger getragen habe.

Fazit zu Bangkok, speziell zur Khaosan Road: Das Buddy Lodge Hotel ist durchaus empfehlenswert, man sollte den Trubel in der Khaosan Road auch auf jeden Fall einmal mitgemacht haben. Leider befindet sich die Khaosan Road aber weit ab vom Rest der Stadt und abgesehen von der Möglichkeit, ein Taxi zu nehmen, kommt man dort auch nur schlecht weg. Nun sind die Kosten für ein Taxi zwar marginal, man ist aber dennoch sehr lange unterwegs. Wenn man länger als 3 Tage in Bangkok bleiben will, sollte man deshalb vielleicht darüber nachdenken, eher ein Hotel in der Sukhumvit Road oder in der Nähe einer Skytrain Station zu nehmen. Weiterhin nerven die vielen Schlepper einfach – wer diese nicht ignorieren kann, kommt in der Khaosan Road vermutlich nicht besonders weit. Gerade die Taxifahrer versuchen einen durch Festpreise, die mindestens das Doppelte, von dem, was man sonst zahlen würde, über’s Ohr zu hauen. Dies ist übrigens nur in der Khaosan Road so extrem, überall sonst in der Stadt haben die Fahrer einfach das Taximeter angestellt. Zum und vom neuen Flughafen ist der AirportExpress die empfehlenswerteste Option.

Mein Gesamtfazit zu Thailand: Ein faszinierendes Land, von dem ich aber noch zu viele wichtige Aspekte bisher nicht gesehen habe. Entsprechend muss ich über kurz oder lang noch einmal zurückkehren, um mir a) die Touristenhochburgen wie Phuket und b) den „richtigen“ Dschungel anzuschauen.

Und hier sämtliche Bilder aus Bangkok:

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