Top End

Von , 16. Dezember 2005 07:41

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Das Top End von Australien – das ist in erster Linie der nördlichste Teil Australiens, vielleicht noch 1500 Kilometer vom Äquator entfernt. Das heißt in erster Linie… HITZE! Und zweitens: Eine unheimlich hohe Luftfeuchtigkeit! Als ich pünktlich (trotz eigentlicher Verspätung des Fliegers) um 1 Uhr Nachts den Flieger in Darwin verließ, stand irgendwo der Mann mit dem Hammer und hat mir mit 27° Celsius erst mal munter einen Schlag verpasst. Ich harrte also der Dinge, die da kommen mögen aus und durfte mich am nächsten Tag von 36° Celsius an den Pool treiben lassen – viel mehr war auch einfach nicht möglich, die Stadtbesichtigung wurde von mir auf den nächsten Morgen verschoben und erst einmal überlegt, was ich denn jetzt mit den 6 Tagen in Darwin überhaupt anfangen soll.
Neben dem Erwerb eines sündhaft teuren Didgeridoos (teuer war in erster Linie mal wieder der Versand nach Deutschland – und ich kann nur hoffen, dass meine Eltern das Ding nicht mit einem komisch bemalten Stück Kaminholz verwechseln, soll im Augenblick ja furchtbar kalt sein in Deutschland, da wird schnell verfeuert was man in die Hände bekommt) habe ich also gleich mal eine 3 Tagestour in den Kakadu National Park gebucht, um die großen Crocs auch einmal aus der Nähe zu betrachten. Am Donnerstag ging es aber trotzdem erst noch auf Sightseeing in Darwin, und wie soll ich es sagen… die Tour fällt mangels einer hohen Anzahl von Sehenswürdigkeiten eher kurz aus. Da alle Strände der Nordküste dank des Box Jellyfish (Quallen) bereits seit Monaten gesperrt sind, war es also wieder einmal Zeit für den Pool. Wer trotzdem Fotos von Darwin und von Weihnachtsdekoration im Hochsommer sehen will, sollte einfach auf das folgende Bildchen klicken.

Am Freitag ging es dann aber munter los – 13 Leute, ein Fahrer und diesmal sogar Übernachtung auf festen Zeltplätzen inkl. (von einer Froschinvasion geplagten) Duschen etc. Und was macht man in so einem von gefräßigen Krokodilen bewohnten National Park erst einmal? Richtig, man geht schwimmen! Damit meine Mutter vor Schreck jetzt kein Herzrasen bekommt, will ich aber gleich mal klar stellen, dass es bestimmte Felspools und ähnliches gibt, die entweder ganz krokodilfrei sind, oder in dem sich allerhöchstens Süßwasserkrokodile herumtreiben – und diese greifen trotz einer Maximallänge von 3 Metern keine Menschen an, außerdem haben wir auch an allen 3 Tagen kein einziges Süßwasserkrokodil gesehen.

Salzwasserkrokodile hingegen können nicht nur 7 Meter lang werden (solche Exemplare gibt es aber heute einfach nicht, da sich die Population nach der fast vollständigen Ausrottung immer noch erholt – die Anzahl ist wieder die gleiche, aber bis 7 Meter erreicht werden, dauert es doch ein paar Jährchen), sondern greifen auch Menschen an, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Also gibt man ihnen dazu erst gar nicht die Möglichkeit und man übersteht den Aufenthalt im krokodilverseuchen National Park ohne größere Blessuren (Ausnahmen werden weiter unten geschildert).

Nach dem Schwimmen ging es dann aber zum Mary River, dem Fluss mit der weltweit höchsten Konzentration an Salzwasserkrokodilen und entsprechend wurden wir auch sofort, nachdem wir unser 7,5 Meter langes Boot bestiegen haben, fündig. Fleißig Fotos gemacht habe ich auch, die allesamt in der Galerie zu finden sind. Abgesehen davon stand eine Menge Fahrerei (1500 Kilometer in 3 Tagen) und die Besichtigung von Termitenhügeln an, die es im National Park häufiger zu finden gibt. Auf eine Innenbesichtigung mussten wir aufgrund von Einwänden der Hausherren aber leider verzichten. Zwischendurch ist der Regenzeit dann auch noch eingefallen, warum es überhaupt Regenzeit heißt und es hat wie aus Eimern gegossen, was mich in letzter Zeit zu verfolgen scheint; allerdings waren die 2 Tage in Darwin trocken und im National Park hat es uns auch nur am ersten Tag richtig erwischt, es ist halt noch Anfang der Regenzeit, so dass der Regen noch nicht so regelmäßig ist. Auf der anderen Seite sind die Wasserstände in einigen Bächen schon so hoch, dass einige Wasserfälle usw. gesperrt sind, denn wer will schon durch 3 Meter hohes Wasser, welches auch noch mit den bereits erwähnten Crocs bestückt ist, fahren?

Am zweiten Tag ging es dann noch einmal schwimmen und außerdem zu einer Stelle, an der bis zu 30000 Jahre alte Aborigine-Kunst bewundert werden kann, von der ich auch einige Fotos geschossen habe. Für die Filmfans: An dieser Stelle wurde auch eine Szene aus einem der ersten beiden Crocodile Dundee Filme gedreht. Ansonsten ging es noch einmal schwimmen und noch zu einigen anderen sehr schönen Stellen und dann war auch schon der zweite Tag zu Ende.

Der dritte Tag bestand aus dem Besuch zweier weiterer Teiche (mir fällt gerade kein besseres Wort ein, eigentlich sind es die Bassins von Wasserfällen) und es gab eine Lehrstunde in angewandter Geologie (inkl. dem Hinweis, dass wir uns in einer Gegend mit hohen Uranvorkommen befinden, bisher glühe ich aber noch nicht im Dunkeln) an einem weiteren Drehort von Crocodile Dundee. Tja, und weil ja bisher alles viel zu gut gegangen ist, dachte Stefan sich, dass er sich am letzten Felspool mal unter den Wasserfall stellen könnte – mit dem Effekt, dass ich mich dank äußerst glitschiger Felsen einmal lang hingelegt habe und den Sturz teilweise mit dem Kinn aufzufangen versucht habe, was zu einer unschönen Platzwunde geführt hat. Diese wurde dann auch gleich (mehr oder weniger) fachmännisch von unserem Fahrer Brian versorgt, aber nach unserer Rückkehr nach Darwin am Abend (das kleine Mißgeschick ist am Mittag passiert, ich möchte aber einfach darauf hinweisen, wie männlich ich die kaum vorhandenen Schmerzen überstanden habe) habe ich die Wunde dann doch lieber von einem Fachmann überprüfen lassen.

Um die ganze Geschichte zusammenzufassen: Genäht werden musste es nicht, sondern mit einem Kleber zusammengeklebt und mit Pflastern fixiert, von denen ich auch gleich mal einen ganzen Packen mit nach Hause bekommen habe, ohne dass ich weiß, wann ich diese zum ersten Mal und wie oft generell wechseln soll. Ich hoffe, dass ich nicht noch einmal in ein australisches Krankenhaus muss, denn gestern durfte ich lockere 4 Stunden zwischen Erstuntersuchung durch eine Schwester und die endgültige Behandlung durch den Arzt warten und außerdem gab es am Anfang leichte Probleme mit meiner Krankenversicherung. Es hört sich aber schlimmer an, als es ist, im Endeffekt habe ich ganz schön Glück gehabt, der Kiefer hätte auch gebrochen sein können, wenn ich ein wenig anders gefallen wäre. Jetzt laufe ich halt mit einem Riesenpflaster am Kinn durch die Gegend, das normalerweise auf meiner mitteleuropäischen Blässe vielleicht kaum zu sehen wäre, mit australischer Sommerbräune fällt es aber ganz leicht auf.

Im Endeffekt war ich also bis nach Mitternacht im Krankenhaus, durfte dann ein Taxi zum Hostel nehmen, da keine Busse mehr fuhren, dann meine Tasche packen und konnte mich dann noch für ungefähr 2,5 Stunden erholsamen Schlaf zur Ruhe betten, denn mein Flieger nach Alice Springs ging eigentlich um 6.20 Uhr, der Bus zum Flughafen aber schon um kurz nach halb 5. Im Endeffekt bin ich also ziemlich hinüber und schildere deswegen meine ersten Eindrücken von Alice Springs ein andermal (so spannend ist es hier aber auch wieder nicht, aber morgen geht direkt die nächste Tour los, diesmal geht es zum Ayers Rock), es sei aber mal erwähnt, dass es hier zwar moderat wärmer als in Darwin ist (die 40° Marke wird geknackt), das Klima aufgrund der fehlenden Luftfeuchtigkeit trotzdem angenehmer ist.

Und hier sind alle Fotos:

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