Red Center

Von , 16. Dezember 2005 07:46

Am Lake Hart

Nach meinem in jeglicher Hinsicht erfolgreichen Trip (Anzahl Narben + 1) nach Darwin ging es also mit dem Flieger nach Alice Springs, dem größten Ort im Red Center. Wirklich groß ist Alice trotzdem nicht, vielleicht 20000 Einwohner, und wirklich viel zu sehen gibt es auch nicht, weshalb ich den ersten Tag v.a. zur Erholung genutzt habe, denn aufgrund meines Krankenhausbesuchs am Vorabend hatte ich in der vorhergehenden Nacht gerade einmal 2,5 Stunden Schlaf bekommen, aber das erwähnte ich bereits.

Tja, was kann man über Alice Springs schon positives sagen? Ist halt mitten in der Wüste und das Highlight jedes Jahr ist eine Bootsregatta im ausgetrockneten Flussbett – vor ein paar Jahren musste die Regatta ausfallen, da der Fluss tatsächlich Wasser geführt hat. Neben der dringend notwendigen Erholung habe ich am ersten Tag noch die Base der Royal Flying Doctors besucht und mich auf den Trip zum Ayers Rock vorbereitet, der am Dienstag (mal wieder) in aller Frühe losging.

Der Plan für die nächsten Tage: Ayers Rock (Uluru) und die Olgas (Kata Tjuta) angucken, im Kings Canyon wandern, auf einem Kamel reiten und sich dabei nicht gleich die nächste Platzwunde zuziehen. Um es mal kurz zusammenzufassen: Der Ayers Rock ist meiner Meinung nach lange nicht so beeindruckend wie Kata Tjuta und in erster Linie ein verdammt großer roter Stein (was jetzt geologisch gesehen völliger Unsinn ist, aber egal), ich habe natürlich trotzdem eine ganze Menge Fotos gemacht, die wie immer in der Galerie zu Bewundern sind. Zum Abendessen gab es Kamel-Gehacktes (die Rache für den etwas holprigen Ritt am Morgen) und geschlafen wurde in Swags, d.h. in einem aus Zeltplane bestehenden „Sack“ mit eingebauter Isomatte und Garantie, dass man von mindestens 40 Moskitos und anderem Getier gestochen oder gebissen wird. Die Gruppe war ziemlich lustig, auch wenn es eine strikte Aufteilung nach Nationen (Engländer, Deutsche und Holländer) gab. Ich habe mich aber lieber von den Holländern adoptieren lassen, da die Deutschen ein recht lahmer Haufen waren. Dank der täglichen 10-Kilometer-Märsche (erst im Kings Canyon, dann um die Olgas drumrum und am letzten Tag der Marsch um den Ayers Rock herum) sind jetzt zumindestens meine Schuhe so hinüber, dass ich mir noch vor dem Rückflug nach Deutschland neue Schuhe kaufen werde – mal gucken, wo ich in Sydney meine Größe finde! Apropos Sydney: Da dort gerade lustige Rassenunruhen sind (ausgelöst von Australiern mit europäischen Wurzeln – haben wohl vergessen, dass sie in erster Linie hier sind, weil Großopa Brian vor 150 Jahren die Kuh vom Nachbarn geklaut hat) ist mittlerweile in bestimmten Stadteilen eine Ausgangssperre verhängt worden und ich bin mal gespannt, inwieweit die Krawalle am Wochenende weitergehen. Naja, Melbourne war mir ja schon immer viel sympathischer ;). Aber zurück zum Ayers Rock Trip: Am letzten Tag hat unser Guide verpennt, so dass wir ein wenig zu spät zum Sonnenaufgang am Ayers Rock angekommen sind, man sieht den Wechsel der Farben deswegen eher schlecht, aber ich habe trotzdem ein paar tolle Fotos gemacht. Anschließend bin ich den Rock NICHT hochgeklettert, da a) dieser eine heilige Stätte für die ansässigen Aborigines ist und ich ja auch nicht über den Altar im Petersdom klettere und b) der Aufstieg aufgrund der hohen Temperaturen erst gar nicht freigegeben wurde. Anschließend ging es die knapp 450 Kilometer zurück nach Alice Springs und am Abend fand‘ noch ein lustiger Umtrunk in der Bar des Hostels statt, der aber nicht ewig ging, da meine nächste Bustour direkt am nächsten Morgen losging.

Diesmal ging es die 1500 Kilometer von Alice Springs nach Adelaide – also vom Red Center Australiens einmal komplett bis an die Südküste. Also wieder ein 3-Tages-Trip, den ich vor allem deshalb gebucht hatte, weil ich noch überhaupt nicht länger durch’s Outback gefahren bin, sondern größere Strecken immer im Flieger hinter mich gebracht habe. Ergebnis: Wir fuhren stundenlang durch die Einöde und es gab einfach nix zu sehen bis auf Halbwüste bzw. Wüste – kein Haus, keine Tankstellen, kein Garnix; dafür alle 5 Kilometer ein Autowrack am Straßenrand, da die hier wohl häufiger liegenbleiben und sich bei den australischen Schrottkisten niemand die Arbeit macht, die Autos abzuholen und zu verschrotten (abgesehen von den 2000 Kilometer bis zur nächsten Schrottpresse). Dafür habe ich aber wilde Pferde (davon gibt es in Australien 250000) gesehen, aber die schockten mich dann auch nicht mehr, 2 Tage vorher waren es nämlich wilde Kamele (von denen gibt es sogar eine halbe Million in Australien, die weltgrößte Population wildlebender Kamele), geritten bin ich aber auf relativ zahmen Exemplaren auf einer Kamelfarm. Die Kamele wurden übrigens im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Lasttiere gebraucht und auch beim Eisenbahnbau eingesetzt, als es dann keine Verwendung mehr für sie gab, wurden sie einfach freigelassen und haben sich seitdem ziemlich gut vermehrt.

Tagesziel war Cooper Pedy, die Opal-Hauptstadt der Welt. Da die Opale aus dem Fels gehauen wurden, haben sich die Minenarbeiter gedacht, dass man aus den so geschaffenen Höhlen auch gleich Wohnraum schaffen könnte, weshalb ungefähr die Hälfte der Menschen in Coober Pedy unter Tage lebt, mit dem Vorteil, dass die Raumtemperatur die ganze Zeit über ungefähr 24°C beträgt und somit kein Bedarf für Klimaanlage oder Heizung besteht. Die Einöde um Coober Pedy herum lässt sich auch prima als Filmkulisse missbrauchen, weshalb hier große Teile von Mad Max III und Pitch Black gedreht wurden – das Raumschiff aus letztgenanntem Film steht immer noch im Ort, aber dummerweise habe ich kein Foto gemacht. Gepennt wurde dann auch unter Tage (siehe Fotos), was aber die Insekten nicht davon abgehalten hat, innerhalb von 3 Tagen bei mir zum zweiten Mal so richtig loszuschlagen. Am zweiten Tag ging es dann überraschenderweise ebenfalls stundenlang durch das Outback, so dass wir den Großteil der Strecke nach Adelaide bereits hinter uns hatten und den dritten Tag ein wenig gemächlicher gestalten konnten, d.h. Besuch von zwei Weinkellern (inkl. der obligatorischen Weinprobe) und ein wenig Känguru-Sightseeing.

Hier die Fotos aus dem Red Center:

Und hier ein paar Impressionen vom Stuart Highway und aus Cooper Peedy:

Eine Antwort für “Red Center”

  1. bregen sagt:

    schön das du wieder da bist!

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