Tasmanien die Zweite!

Von , 29. November 2005 06:45

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Am Mittwoch die letzte Klausur geschrieben, abends die Socceros erfolgreich zur WM geschrien und danach ein letztes Mal Newcastle unsicher gemacht, Donnerstag mein Zimmer geputzt und alles gepackt, festgestellt, dass ich noch ein zweites Paket zum Sparpreis von ca. 76 Euro nach Deutschland schicken darf und am Freitag ging es erst mit der Bahn nach Sydney um dort das Gepäck aufzugeben, das ich die nächsten 4 Wochen nicht mit mir rumschleppen will und abends direkt mit dem Flieger nach Tasmanien.

Diesmal war ich also Steffi besuchen. Steffi ist die Freundin von Wolle (mein Oldenburger Lieblingsmitbewohner), Partschens Mitbewohnerin und schreibt gerade ihre Diplomarbeit über irgendwelchen seltsamen Algen- und/oder Muschelbewuchs an der University of Tasmania in Hobart. Kaum am späten Freitagabend in Hobart gelandet und aufgrund der vorhergehenden zwei Tage und des langen Freitags eigentlich ziemlich geschafft, kam ein Anruf von Steffi, in dem sie mir fröhlich mitteilte, dass sie noch gar nicht zuhause sei, sondern noch mit Kollegen in einer Kneipe und ob ich dort nicht auftauchen möchte. Eigentlich war ich von der Idee ja nicht so sehr begeistert, da ich trotz Gepäckaufgabe immer noch lockere 20 Kilo Gepäck (inkl. Notebook) bei mir hatte und diese mit in den Pub schleppen durfte. Das hat dann aber auch nicht ausgereicht, um die Aussicht auf echtes tasmanisches Bier zu schmälern und schlußendlich waren wir erst um 4 Uhr morgens zuhause – man musste sich ja über den neuesten Klatsch und Tratsch aus Oldenburg und insbesondere das Schützenweg-Wohnheim austauschen. Dann mit dem Taxi zum Casa Keller, was sich als weiterer Palast herausstellte – „weiterer Palast“ deshalb, weil Studenten-WGs in Australien immer in Häusern beherbergt werden, was wohl damit zusammenhängt, dass nur sehr wenige Australier in Mietswohnungen leben und es entsprechend nur eine geringe Anzahl von diesen gibt. Steffis Haus-WG stellte sich also als 4er (oder waren es 5 Leute? Gesehen habe ich auf jeden Fall nur 4) WG in einem Riesenhaus mit großem Wintergarten, normalen Garten und Hanglage heraus, alles natürlich ein wenig heruntergekommen (das ist für australische Haus-WGs ebenfalls völlig normal) aber trotzdem in Deutschland wohl kaum bezahlbar, in Australien aber für verdammt kleines Geld zu haben.

Aufgrund der fortgeschrittenen Feieraktivitäten am Freitag Abend haben wir es am Samstag ein wenig ruhiger angehen lassen und sind eigentlich nur munter durch Hobart marschiert, haben aber immerhin noch die letzten 20 Minuten des ziemlich bekannten Salamanca Markets mitbekommen. Abends waren wir dann im Kino und haben „Kiss Kiss Bang Bang“ geschaut (übrigens sehr empfehlenswert, wenn man Fime a la Pulp Fiction mag) und dann waren wir noch auf einer Hausparty, auf die uns am Abend vorher ein ziemlich betrunkener Biologie-Doktorand eingeladen hatte. Da die Party schon um 16 Uhr los ging, wir dort aber erst um 23 Uhr aufgetaucht sind, war das mitterweile eine ziemlich müde Veranstaltung mit einem Haufen SEHR betrunkener Australier geworden, weshalb wir uns schon nach 15 Minuten wieder auf die Socken gemacht haben. Eigentlich wollten wir uns dann noch mit Steffis Kollegen treffen, diese waren aber nicht mehr im Pub, als wir dort angekommen sind. Das machte aber auch nix weiter, denn in dieser Bar gab es einen ganzen Krug (=4 große Bier) Beck’s für läppische 10 Dollar – da habe ich mich langsam gefragt, ob ich nicht in der falschen Stadt studiert habe! So lang ging der Abend aber trotzdem nicht, denn für den Sonntag hatten wir große Pläne…

… denn es stand die Besteigung von Mt. Wellington an! Mt. Wellington ist Hobarts Hausberg mit etwas mehr als 1200 Metern und nicht mit dem Mt. Wellington in Neuseeland zu verwechseln, der ist nämlich einiges höher. Natürlich waren wir viel zu spät dran und haben den Berg von der letzten Bushaltestation auf ca. 450 Meter erst ab Mittag in Angriff genommen. Es ging also auf ca. 5 Kilometern zum Gipfel mehr als 700 Meter aufwärts, was sich als ein ganz klein wenig anstrengend herausstellte.

Da wir sehr viel Glück mit dem Wetter hatten, haben wir eine Menge tolle Fotos gemacht, die Gallerie kann wie immer mit einem Klick auf einen der Thumbnails geöffnet werden. Der Abstieg stellte sich dann als viel weniger anstrengend heraus, allerdings waren wir (wie bereits erwähnt) sehr spät dran, so dass wir den letzten Bus um 17 Uhr nicht mehr erreichen konnte, es war also Trampen angesagt. Ich habe also Steffi ein freundliches Gesicht aufsetzen lassen und schon das dritte Auto hat sich dann auch unserer verlorenen Seelen erbarmt und so konnten wir darauf verzichten die 12 Kilometer zurück nach Hobart zu marschieren, denn meine Wanderstiefel sind bereits in einem Paket nach Deutschland unterwegs, weshalb ich normale Schuhe getragen habe und mir meine Füße dann doch ein wenig weh taten.

Von Montag bis Mittwoch sind wir dann mit einem Mietswagen durch Tasmanien gefahren und ich durfte mal wieder meine Linksfahrkünste unter Beweis stellen. Abgesehen von nicht funktionierenden Bremsen am Montag (da ist Steffi aber gerade gefahren) war die Fahrt selber aber reichlich unspektakulär, uns ist nicht einmal das obligatorische Känguru bzw. Wallabie vor den Kühler gehüpft. Es ging Tasmaniens Ostküste hoch und erstes Tagesziel war Bicheno, ein netter kleiner Küstenort mit einem extrem guten Hostel (sehr neu & super, sehr neue Einrichtungen) und rein zufällig einer der besten Orte in ganz Australien um sich Pinguine anzuschauen. Die Ferry Pinguine (eine relativ kleine Art, ich meine sogar gelesen zu haben, dass es die kleinste Pinguinart überhaupt sei) ziehen nämlich im Augenblick gerade ihre Jungen groß, weshalb ein Elternteil den ganzen Tag im Meer ist und Fische jagt und schon einmal vorverdaut, während der andere Elternteil mit dem Jungen in eine kleinen Höhle wartet. Bei Sonnenuntergang marschieren die Pinguine dann vom Meer zurück zum wartenden Ehepartner, was extrem lustig ist, da die Tiere einen enormen Radau veranstalten, wenn sie denn endlich in den Höhlen angekommen sind und sich vorher auch einfach mal eine halbe Stunde ins Gras legen, da sie nach einem Tag im Meer und dem schwierigen Aufstieg über die Felsen (Pinguine stellen sich auf dem Festland nicht gerade geschickt an und schauen sich einen kleinen Tümpel auch schon einmal 10 Minuten an, bevor sie dann hereinspringen um drei weitere Meter hinter sich zu bringen) völlig fertig sind und erst einmal zu Kräften kommen müssen. Leider war der Einsatz von Blitzlicht verboten, da man die Vögel damit erblinden lassen können, weshalb uns am Abend kein einziges Foto gelungen ist. Da wir am Dienstag vormittag aber noch einmal durch Bicheno marschiert sind, haben wir kleine Pinguinhöhlen gefunden, aus denen ein Pinguin mißtrauisch hinausschaute – und davon gibt es Fotos. Sonst fällt mir zu Pinguinen nur noch ein, dass die ganz schön stinken, ist aber auch kein Wunder, wenn die Jungen mit stundenlang vorverdautem Fisch gefüttert werden.

Nachdem wir also bis Mittags massig Fotos in Bicheno geknipst hatten, ging es in unserem Super-Daewoo weiter zum Freycinet National Park. Da wir noch immer den Mt. Wellington vom Sonntag in den Beinen hatten, haben wir lieber den langen aber relativ flachen Weg zum Hazards Beach gewählt anstatt zum Wineglass Bay Lookout hochzukraxeln. Leider hatte irgendjemand die Zeitangabe wohl nicht ganz richtig verstanden, weshalb wir statt der gedachten 90 Minuten insgesamt 3,5 Stunden unterwegs waren, aber dafür war der Hazards Beach auch sehr schön und auf dem Rückweg sind uns auch noch einige Wallabies über den Weg gehüpft. Weiter ging es dann nach St. Helens, wo wir im örtlichen YHA übernachtet haben.

Am Mittwoch ging es dann (nach einem Rundgang durch St. Helen) noch zur Bay of Fires, an der ich für ungefähr eine halbe Stunde eingepennt bin und mir natürlich mal wieder einen leichten Sonnenbrand eingefangen habe, da ich auf Sonnenmilch aufgrund der doch nicht ganz so hohen Temperaturen ganz clever verzichtet habe. Vorher und hinterher hat sich noch jeweils ein Echidna (Ameisenigel) entschlossen, vor unserem Auto die Straße zu überqueren, was natürlich auch festgehalten werden musste. Leider haben sich die kleinen Kerle ganz eingeschüchtert in einem Baumstumpf bzw. im Gebüsch versteckt, weshalb man das ganze Tier eher erahnen konnte. Nach der Bay of Fires haben wir außerdem noch einige schöne Buchten besucht, allerdings wird auch die schönste Bucht irgendwann einmal langweilig, weshalb es dann auch schon wieder auf die 250 Kilometer lange Strecke zurück nach Hobart ging, was aufgrund der maximalen Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h auf tasmanischen Straßen (normalerweise aber nur 100 km/h) dann auch gleich den ganzen Nachmittag in Anspruch genommen hat (außerdem soll man aufgrund der vielen Tiere eh lieber auf Fahrten in der Dämmerung verzichten). Das Binnenland ist ja auch ganz schön, allerdings wird es nach einer Stunde dann doch ein wenig eintönig (da unterscheidet es sich auch nicht gewaltig von einer Überdosis an schönen Buchten): Wiesen, Schafsherden, Wiesen, Wäldchen, Schafsherden usw. usw. usw.

Abends habe wir dann noch eine leckere Pizza gebacken und am Donnerstag ging es dann auch schon mit dem Flieger weiter nach Brisbane in hoffentlich wärmeres Wetter, aber davon berichte ich in ein paar Tagen.

Und hier sind alle Fotos vom Roadtrip:

3 Antworten für “Tasmanien die Zweite!”

  1. MUslar sagt:

    Heyho, wann kommst du denn wieder zurück ins Merkel-Land?

  2. bregen sagt:

    Hey Meister, danke für die „niedliche“ Karte 😀

    komm guad hoam

    der Bregen

  3. Outdoor Fan sagt:

    Hey Stefan, ein sehr interessanter Blog mit tollen Fotos. Es war bestimmt ein grandioses Abenteuer!

    Ich gehe demnächst für eine Weile nach Thailand und möchte dann auch einen Blog dazu schreiben. Verrätst Du mit mit welchem WordPress Plugin Du die Fotogalerie umgesetzt hast?!

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