Mid Semester Break Trip – Teil 2 (Tasmanien)
Nach meinem 4-tägigen Melbourneaufenthalt ging es also nach “Under Down Under” – wer Tasmanien nicht kennt => das ist eine Insel im Nordosten Australiens, ca. 70.000 km² groß, auf der sich nicht einmal 500.000 Menschen verlaufen. Das Klima kann mit Mitteleuropa verglichen werden, ist also nicht mit dem Rest Australiens vergleichbar. Hauptstadt ist Hobart, ca. 200.000 Einwohner und laut meinem Reiseführer hat Joachim Fuchsberger hier ein Haus…
Den Fuchsberger habe ich zwar nicht gesehen, dafür gab es aber eine echt deutsche Bäckerei (inkl. original deutscher Brot- und Brötchentüten) – und die Verkäuferin hat meinen Akzent natürlich nach nicht einmal einem Satz entlarvt.
Wie bereits gesagt war die Ankunft in Hobart am Donnerstag, am Freitag wurde dann Proviant eingekauft und Samstag ging es mit dem Bus 8 (!) Stunden zum Startpunkt des Overland-Tracks. Dabei handelt es sich um einen Wandertrack, der den Cradle Mountain mit Lake St. Clair verbindet – dazwischen 80 Kilometer Wildnis, kein Strom, kein Telefon aber immerhin alle 15 Kilometer Hütten zum Übernachten (d.h. Gasofen und Plätze wo man seine Isomatte aufschlagen kann).
1. Tag:
Am Cradle Mountain ging es nach kurzer Besichtigung des Besucherzentrums dann auch direkt auf den Track, da wir uns vorgenommen hatten, am ersten Tag die 14 Kilometer entfernte Hütte im Waterfall Valley zu erreichen. Wir sind/waren Florian, Jan, Moritz und ich, alles Studenten aus Newcastle und abgesehen von Jan (Tscheche) alle aus Deutschland.
Leider waren wir viel zu spät dran, so dass wir statt in einer Hütte mit Gasofen in einer Notfallhütte übernachten durften. Dort trafen wir auch gleich noch zwei Schweizer, die jedoch bereits am Ende des Tracks waren, da sie am Lake St. Clair (unserem Ziel) gestartet waren. Als nächstes beschlossen wir am nächsten Morgen um 4.15 Uhr aufzustehen um den Sonnenaufgang vom Cradle Mountain aus betrachten zu können. In der Hütte waren nachts übrigens unter 5°C.
2. Tag:
Also ging es am nächsten Tag in völliger Dunkelheit mit Taschenlampen den Cradle Mountain hoch. Im Gegensatz zum befestigten Track gab es hier aber keine ausgebauten Wege sondern nach einiger Zeit waren nur noch ab und zu Hinweispfähle aufgebaut um den Weg zu weisen, ansonsten ging es über Feld und Stein den Berg hinauf.
Und prompt verloren wir natürlich den Pfad aus den Augen, kletterten aber munter weiter drauf los (meine Mutter hätte an dieser Stelle einen Herzinfarkt bekommen, wenn sie mich den Berg hätte hochkraxeln sehen, es kommt aber noch besser). Nach ca. einer Stunde sind wir dann auch an einem der Gipfel des Cradle Mountain angekommen, konnten aber vom Sonnenaufgang rein gar nichts sehen, da es sehr nebelig war. Nach einer halben Stunde Pause (ziemlich windig so in 1400 Meter Höhe, wir hatten auch mal locker 400 Meter Höhenunterschied zu dieser frühen Stunde hinter uns gebracht) ging es dann wieder abwärts, natürlich ohne den Pfad zu finden.
Eigentlich möchte ich ja lieber den Mantel des Schweigens über die nächsten 8 (! ich möchte daran erinnern, dass wir für den Aufstieg 1 Stunde gebraucht haben) Stunden legen, allerdings muss ich das dann doch einmal kurz zusammenfassen. Da wir den Pfad nicht wiedergefunden haben und man dank des Nebels vielleicht 40 Meter weit sehen konnte, wussten wir nicht einmal auf welcher Seite des Bergs wir uns überhaupt befanden (der Startpunkt war im Südosten). Da auch niemand Ausrüstung dabei hatte (wir hatten unsere 20 Kilo Backpacks in der Hütte gelassen, wir hatten ja nur einen kurzen Ausflug geplant) fehlten auch Kompass und Karte…
Die beiden Schweizer haben dann die Führung übernommen und es wurde eigentlich von Minute zu Minute schlimmer, teilweise mussten wir 15 Meter hohe und ziemlich (um es mal vorsichtig auszudrücken) steile Felswände herunter, an anderen Stellen ging es überhaupt nicht weiter, weil es 30 Meter einfach so in die Tiefe ging. Mittags, als wir schon 6 Stunden lang auf dem Weg nach unten waren konnte man dann zum Glück die Sonne sehen (vorher aufgrund des Nebels einfach nicht möglich) und wir mussten erkennen, dass wir im Nordwesten des Berges waren. Wie wir so weit vom Pfad abgekommen sind kann ich mir bis heute nicht vernünftig erklären.
Nach einer weiteren Stunde kamen wir dann an einen Pfad, der auf der anderen Seite des Berges entlangführte, so dass wir uns auf den Weg zurück zu unserem Schlafplatz aus der vorherigen Nacht machen konnten, wo wir (nochmals eine Stunde älter) dann auch ankamen, wirklich glücklich, dass sich niemand verletzt hatte und wir relativ wohlbehalten am Ziel angekommen waren, mal abgesehen davon, dass wir alle völlig verdreckt waren und immer noch 7 Kilometer zur nächsten Hütte vor uns hatten.
Also kurz Proviant aufgenommen, Rücksäcke auf den Rücken und los ging es zum Waterfall Valley um wenigstens in dieser Nacht einen warmen Schlafplatz zu haben. Relativ unspektakulär, bis auf den Punkt dass ich auf ungefähr der Hälfte der Strecke auf einen losen Stein getreten bin und mir den Knöchel so sehr verstaucht habe, dass für mich der Overland-Track bereits vorbei war. Aber der Reihe nach:
Jan und Flo haben meinen Rucksack die letzten 3 Kilometer zur Hütte geschleppt, während Moritz mich begleitet hat. Auftreten war trotz Tapeverbands, den ich von einem zufällig vorbeikommenden Truppführer angelegt bekommen habe, nicht möglich, so dass Jan mir seine Walkingsticks borgen musste. Nach einer Ewigkeit in der Hütte angekommen habe ich mich erst einmal über den warmen Ofen gefreut und mir danach meinen Knöchel mal näher angeschaut. Der war mittlerweile irre angeschwollen und schmerzte höllisch. Da man aber eh nix machen konnte habe ich die Beine hochgelegt und früh gepennt, in der Hoffnung, dass ich am nächsten Tag wieder vernünftig laufen könnte…
3. Tag: …was sich aber als Trugschluss herausstellte, da ich für die 50 Meter zur Toilettenhütte schon fast 10 Minuten gebraucht habe. Der Knöchel war nach wie vor viel dicker als er sein sollte, Auftreten war auch kaum möglich, weshalb ich mich schweren Herzens dazu entschließen musste, den Track an dieser Stelle abzubrechen und die Jungs alleine ziehen zu lassen. Am nächsten Tag sollte es dann wieder zum Ausgangspunkt zurückgehen, so dass ich per Bus zurück nach Hobart fahren konnte.
Dementsprechend habe ich den ganzen Tag in der Hütte gelegen und ein Buch gelesen, zwischendurch bin ich noch kurz raus um endlich das erste Känguruh zu sehen (und das nach 2 Monaten in Australien) – wobei Känguruh eigentlich gelogen ist, da es sich “nur” um einen Haufen Wallabies handelte – der Unterschied zwischen den beiden Arten ist ungefähr vergleichbar mit Kaninchen und Hasen. Hier gleich mal ein Foto von dem ein wenig verdrießlich dreinschauenden Tier:

In der Nacht zuvor hatten fast 40 Menschen in der Hütte geschlafen (die für 32 Personen Schlafplätze hat), in dieser Nacht waren wir gerademal zu zweit, neben mir noch Gary, Geographie-Professor aus Canberra, ungefähr 55 Jahre alt und lief den Track alleine.
4. Tag:
Zusammen mit Gary und einem Fuss, der einigermaßen wieder in Ordnung war, ging es dann am nächsten Tag wieder zurück Richtung Start – und es regnete mal wieder, genauso wie die übrigen Tag auf dem Track eigentlich auch (außer es war nebelig, dann hielt sich der Regen in Grenzen). Relativ unspektakulär der Tag, der Fuss war wieder einigermaßen belastbar und so bin ich dann auch unfallfrei wieder im Besucherzentrum angekommen und konnte mir ein Bett im einzigen (und total überteuerten) Hostel sichern. Dann noch den Bus umgebucht, dennoch war die nächste Chance zurück nach Hobart zu kommen erst zwei Tage später am Donnerstag.
5. Tag:
Mein Knöchel war zwar immer noch dick, aber meiner Meinung nach wieder belastbar, zu lesen hatte ich auch nix mehr, das Wetter war fantastisch und somit beschloß ich noch eine Tour auf den (gut ausgebauten) Pfaden am Besucherzentrum etc. zu machen.
An diesem Tag sind mir einige sehr schöne Fotos gelungen, die wie üblich unten bewundert werden können. Letztendlich hätte ich aber vielleicht doch den ganzen Tag im Bett bleiben sollen, da ich a) irgendwo auf dem Track meine Sonnenbrille verloren habe und b) 50 Meter vor dem Hostel gleich noch einmal umgeknickt bin womit mein Knöchel dann wirklich völlig hinüber war. Ab diesem Moment konnte ich für die nächsten 3 Tage kaum noch auftreten, der Knöchel schwoll gleich wieder an und es gab nette große Blutergüsse ober- und unterhalb des Gelenks. Spätestens in diesem Augenblick bin ich Hypochonder dann davon ausgegangen, dass ich mir einen Bänderriss zugezogen habe.
Zurück nach Hobart und zurück nach Newcastle:
Mit dem Bus ging es wieder zurück nach Hobart, denn ich hatte a) die permamente Langeweile und b) das teure Hostel ziemlich satt, außerdem war meine Laune nach dem Verlust meiner Sonnenbrille auch nicht gerade die beste.
Die Busfahrt dauerte wieder 8 Stunden, aber abends konnte ich dann doch wieder in den Pickled Frog einkehren, wo auch die Jungs am nächsten Tag aufschlagen sollten (was sie auch gemacht haben). Das taten sie dann auch pünktlich als ich gerade eingeschlafen war, da ich am nächsten Tag um 4.45 Uhr meinen Bus zum Flughafen erwischen musste. Gottseidank haben aber auch auf Tasmanien die Bottleshops die ganze Nacht über geöffnet, so dass es noch zu einem “kleinen” Umtrunk kam und ich letztendlich doch noch 3 Stunden Schlaf bekommen habe.
Pünktlich (bei den australischen Billigfliegern eine echte Ausnahmeerscheinung, dafür kostet so ein 2-Stunden-Flug dann aber auch vielleicht 50 Euro) ging es dann zurück nach Sydney und von Sydney per Bahn zurück nach Newcastle, wo ich also am Samstag Mittag ungefähr halbtod und heilfroh wieder zuhause zu sein, angekommen bin.
Fazit:
Tasmanien war toll, allerdings ist es ziemlich frustrierend, dass ich den Track nicht komplett gehen konnte. Der Knöchel hat sich letztendlich nur als sehr schlimme Verstauchung herausgestellt, die Bänder sind alle noch in Ordnung. Da sich sehr viel Flüssigkeit im Gelenk angesammelt hat ist der Knöchel aber sehr instabil, so dass ich auch in den nächsten 4 Wochen (das ganze ist vor 3,5 Wochen passiert, bin ein wenig spät dran mit dem Schreiben des Blogeintrags) keinen Sport machen darf. Mal schauen, ob ich in den nächsten Monaten noch einmal zurück nach Tasmanien gehe, es gibt ja auch noch sehr viel anderes zu sehen…
